Ich blicke stets nach vorn, dies hat mich mein bisheriger Lebensweg gelernt.

Am 6. März 1986 kam ich im Engadin zur Welt und wuchs mit zwei älteren Geschwistern auf.

Kurz vor meinem ersten Geburtstag wurde bei mir eine bakterielle Hirnhautentzündung festgestellt. Die Erkrankung war so fortgeschritten, dass kaum einer der Ärzte an ein Überleben glaubte, doch ich kämpfte mich ins Leben zurück. Nach zwei Wochen konnte ich das Spital als gesunder Junge verlassen.

Die Jugendjahre verliefen wie bei vielen lebhaften Jungen, mit ein paar Schürfwunden da und ein paar Prellungen dort. Allerdings merkten die Ärzte, dass mein Gehör extrem sensibel auf Lärm reagierte, doch immer noch konnte ich ohne akustische Einschränkungen leben.

Um meinen Traum vom Piloten bei der Rega zu verwirklichen, begann ich eine Lehre als Elektromonteur. Doch schon im zweiten Lehrjahr wurde klar, dass mein Leben einen anderen Weg für mich bereit hält. Zu jener Zeit begann mein Gehörvermögen kontinuierlich abzunehmen und als mir dann im Ausgang jemand ins linke Ohr schrie, erlebte ich den erste Hörsturz. Was folgte, waren die ersten Hörgeräte und der erste Lehrabbruch, weil die Baustellen keine guten Voraussetzungen boten für jemand mit sensiblen Ohren.

Durch die Hörhilfe erwachte eine neue Welt um mich herum, voller Geräusche, Klänge und Melodien, die ich schon lange nicht mehr hören konnte. Das schönste war der Regen… Regen…. dieses Geräusch von den Tropfen, die auf der Erde fallen…

Nichts war beruhigender, als bei Regenwetter draussen zu sitzen und dem Rauschen zu lauschen.

In jener Zeit der ersten Ausbildung ermöglichte mir meine Mutter ein Motorrad zu erwerben. Wie ich die Fahrten genoss und das Werkeln am Vehikel liebte. So entstand die Idee Motorradmechaniker zu erlernen. Es war ein neuer Traum, ich hatte etwas gefunden, das mir auf der ganzen Linie entsprach. Eines morgens aber, im zweiten Lehrjahr, merkte ich, dass ich mit meinem linken Ohr nichts mehr hören konnte. Dies führte zu einem weiteren Lehrabbruch und einem stärkeren Hörgerät auf der rechten Seite.

Da die Prognosen des mich begleitenden Arztes nicht hoffnungsvoll waren, was mein Hörvermögen betraf, begann ich zuerst das Lippenlesen zu erlernen und später die Gebärdensprache.

Meine dritte Ausbildung als Fachmann Betriebsunterhalt war eine Notlösung und ein Glück zugleich. Schon im ersten halben Jahr wurde klar, dass ich dem normalen Unterricht nicht mehr folgenden konnte, und so wechselte ich in die Berufsschule für Hörgeschädigte.

Am 6. Sep 2010 dann, im dritten und letzten Lehrjahr, verlor ich über Nacht auch mein rechtes Gehör. Dennoch konnte ich die Ausbildung beenden. Aufgrund meines Handicaps war es jedoch unmöglich, eine Stelle zu finden. Und auch mein Traum vom Motorradmechaniker, schien in unendlich weite Ferne gerückt zu sein.

Doch ein Artikel der Südostschweiz am Sonntag verhalf mir zu einer neuen Ausbildung als Motorradmechaniker. Eine Ausbildung welche ich als bester meines Jahrgangs abschloss.

Die vielen zerplatzen Träume, die vielen Felsbrocken auf meinem Lebensweg, aber auch die Hilfe meiner Mitmenschen lehrten mich: Völlig egal, wie viele Steine da auf meinem Weg noch liegen werden, ich werde sie überwinden. All die vergangenen Jahre haben mich innerlich wachsen und stärker werden lassen und so blicke ich voller Zuversicht nach vorn, bereit, anderen Menschen Mut zu machen und meine Erfahrungen mit ihnen zu teilen.

Sponsoren

Kraftwerk
Schumacher
Oakley Store – Zürich O-Store
MotoShop46
Bischof Schriften Chur
Toscano Kollegger Generalplanung GMBH